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  • October 16, 2015 - hosted by Администратор Сайта
    Друзі, знайомтеся з остаточною програмою заходу, є невеличкі зміни у часі по деяким активностям, проте, сподіваємося, що це Вас не збентежить! Дуже хочемо, щоб кожен з Вас використав цей захід з максимальною користю для себе! До зустрічі!
  • October 21, 2015 - hosted by Администратор Сайта
    Приглашаем предпринимателей с интересными бизнес-идеями из числа ВПЛ и бойцов АТО в первый бизнес-инкубатор полного цикла в Киеве. Это уникальная программа, реализуемая общественной организацией Центром занятости свободных людей при содействии Киевской бизнес-школы, SEO-studio и Правовой группы “До...
  • October 1, 2015 - hosted by Администратор Сайта
    6-7 червня у Києві Центр зайнятості Вільних людей за підтримки Програми Розвитку ООН в Україні провів першу Школу професійного волонтера. Основна ціль даного заходу – розвивати бренд волонтерства як спроможного надавати кваліфіковану допомогу та професійно впливати на суспільні зміни.

"Was k?nnen wir schon ?ndern?" "Alles!"

Mit einer beispiellosen Übung in Hilfsbereitschaft und Improvisation versuchen Ukrainer, die postsowjetische Lethargie zu überwinden. Langsam schwinden die Kräfte. Der Krieg frisst zu viel Energie.


Aljona, 32, ist Innenarchitektin und hilft in der Froliwska-Straße, den Hof zu gestalten. Aus den bunten Reifen sollen Blumenbeete werden
Foto: Jan Vollmer


"Wenn es Dir schlecht geht, finde jemanden, dem es noch schlechter geht, und hilf ihm." Diese einfache Wahrheit hängt auf einem Zettel an der Wand im Flüchtlingszentrum Dopomoga Dnipra, zwischen Mietanzeigen und einem Stundenplan zur Ausgabe von Kleidung. Dopomoga Dnipra liegt 150 Kilometer hinter der Front im ukrainischen Dnepropetrowsk und wird von Freiwilligen betrieben.

Es ist die erste Anlaufstelle für Tausende Ukrainer aus dem Donbass, die Schutz vor dem Krieg suchen. Die Ukraine lebt gerade vom Prinzip Helfen. Ohne die Freiwilligen wäre der Staat längst zusammengebrochen. Jeder dritte Ukrainer ist mittlerweile Teil der Freiwilligenbewegung, sagen Umfragen.

Manche spenden für die Armee, andere kündigen ihre Jobs, um ganztags bei einer Nichtregierungsorganisation (NGO) zu arbeiten: Geld sammeln, Schutzwesten kaufen, Witwen der gefallenen Soldaten mit Lebensmitteln versorgen, Flüchtlingen warme Kleidung bringen.

Es steht nicht gut um die Ukraine. Mehr als 6000 Todesopfer im Krieg mit einem übermächtigen Gegner und zwei Millionen Flüchtlinge, lautet die Bilanz der vergangenen 14 Monate. Und gerade da ist das Engagement der Bürger das stärkste Signal der Hoffnung seit der Revolution auf dem Maidan.

Iryna Koval gründete eine private Jobagentur

Das Land ist aus der Lethargie erwacht, in der noch so viele andere postsowjetische Gesellschaften stecken. "Was soll man machen?", hört man von Minsk bis Wladiwostok. "Was können wir schon ändern?" In der Ukraine hat man auf diese Frage in Rekordzeit eine Antwort gefunden: "Alles."


Iryna Koval leitet die „Arbeitsagentur für freie Menschen“. Sie vermittelte sage und schreibe 1000 Menschen einen Job
Foto: privat


Iryna Koval, eine zierliche 26-Jährige, leitet die "Arbeitsagentur für freie Menschen" in Kiew. Die Organisation hilft Flüchtlingen und Veteranen, eine Stelle zu finden. Koval gründete die Nichtregierungsorganisation zusammen mit Freunden während der Maidan-Revolution, denn viele Aktivisten verloren wegen ihres Protests gegen die Janukowitsch-Regierung den Job. Anderen wurde gekündigt, weil sie schlicht nicht mehr genug Zeit für die Arbeit hatten.

Als die russische Intervention begann und Menschen von der Krim und später aus dem Donbass fliehen mussten, gewann Kovals kleine Agentur plötzlich an Bedeutung. Jetzt bietet sie Berufsfortbildung in allen Bereichen an – von der Gastronomie bis zum Marketing. 3000 Menschen haben Koval und ihre Kollegen bisher beraten, 1000 haben sie einen Job verschafft. "Gelegentlich bittet uns schon das offizielle ukrainische Arbeitsamt um Hilfe", sagt Koval.

Aber dieses Wachstum fordert seinen Preis. "Das größte Problem unserer eigenen Mitarbeiter ist der Burn-out. Wir arbeiten so viel, bis es irgendwann nicht mehr geht", erzählt Koval. Jetzt muss sie selbst einen erzwungenen Urlaub machen. "Die vergangenen eineinhalb Jahre waren heftig."

Die Lagerräume werden langsam leer

Aber nicht nur die tagtägliche Auseinandersetzung mit dem Konflikt habe sie viel Kraft gekostet, auch der Kampf um die finanzielle Existenz war zermürbend. Die ersten acht Monate überlebte Kovals Arbeitsagentur komplett ohne eigene finanzielle Mittel.

"Meine Freunde haben Geld gesammelt, damit ich meine Miete zahlen kann." Nun hat die Organisation Zuschüsse für jeweils vier Monate von den Vereinten Nationen und der amerikanischen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit, USAID, bekommen.

So können zumindest befristet sieben Mitarbeiter der Organisation, darunter auch Koval, bezahlt werden. Sie koordinieren rund 200 Freiwillige, die den Flüchtlingen aus dem Donbass die Arbeitssuche einfacher machen wollen. "Zum Glück gibt es immer Menschen, die einen ersetzen, wenn man ausfällt", sagt Koval. Menschen, die gerade erst anfangen zu brennen.

Der Krieg macht müde, das merkt man auch in den Lagerräumen des Freiwilligenzentrums in der Froliwska-Straße in Kiew, wo Flüchtlinge Hilfsgüter bekommen können. "Früher waren die Regale bis zur Decke mit Klamotten voll, die Kiewer mitgebracht haben", sagt Viktor, selbst aus dem Donbass geflohen, der sich nun für andere engagiert.

Sammeln für die Armee

Er wirft einen Blick in den Raum, in dem die Plastiksäcke mit gespendeter Kleidung recht überschaubar wirken. Arbeitslose Flüchtlinge, die nun in Kiew wohnen, kommen aber immer noch, in der Hoffnung, kostenlos etwas zum Anziehen und für den Haushalt zu bekommen.


Einer der Helfer im Freiwilligenzentrum in der Froliwska-Straße in Kiew ist Viktor, selbst ein Flüchtling aus der Ostukraine. Es gibt auch eine Kinderbetreuung, damit die Eltern ehrenamtlich arbeiten können
Foto: Jan Vollmer

Die Freiwilligen auf dem Kiewer Maidan, dem Platz, auf dem vor eineinhalb Jahren Tausende von Menschen gegen Korruption und für eine demokratische, europäische Ukraine demonstrierten, wirken ebenfalls erschöpft. Hier sammelt Wjacheslav Spenden für die Armee. "Es ist in letzter Zeit schwieriger geworden", sagt der 33-Jährige. "Viele Menschen haben für ihr eigenes Leben nichts mehr übrig. Aber die Jungs in der Armee brauchen unsere Unterstützung. Der Krieg ist längst noch nicht vorbei."

Im Dorf Shyrokino bei Mariupol dauern die Kämpfe trotz Minsker Vereinbarung an, auch andere kleine Orte wie Pisky oder Opytne werden regelmäßig von den Separatisten beschossen. Niemand weiß, wie viel Land russische und prorussische Kräfte noch einnehmen wollen. Der Waffenruhe traut hier keiner.

Präsident Petro Poroschenko weiß, dass die Freiwilligenbewegung für die Ukraine essenziell ist. Seit Beginn des Konflikts wurden fast 100 Aktivisten für ihr Engagement mit Staatsorden ausgezeichnet. In seiner Rede zum "Tag des Sieges" lobte Poroschenko neben den Soldaten auch die Freiwilligen. Aber die sagen, das seien nur Worte. Wirkliche Hilfe vonseiten des Staates sehe man nicht.

Der Staat überlässt den Freiwilligen das Feld


Das Zentrum wird von Freiwilligen betrieben. Mario ein Freiwilliger aus Spanien, nimmt die Kleidung entgegen, die die Kiewer für Flüchtlinge bringen. Mario spricht weder Russisch noch Ukrainisch noch Englisch, aber der Wunsch, die Ukraine zu unterstützen, war so groß, dass er sich einfach auf den Weg nach Kiew gemacht hat. Auf seinem Poster steht: „Ich liebe die Ukraine“
Foto: Jan Vollmer
Das Zentrum wird von Freiwilligen betrieben. Mario ein Freiwilliger aus Spanien, nimmt die Kleidung entgegen, die die Kiewer für Flüchtlinge bringen. Mario spricht weder Russisch noch Ukrainisch noch Englisch, aber der Wunsch, die Ukraine zu unterstützen, war so groß, dass er sich einfach auf den Weg nach Kiew gemacht hat. Auf seinem Poster steht: "Ich liebe die Ukraine"
Fast alle Freiwilligen ärgern sich über die unkooperativen Behörden und das Fehlen staatlicher Mitteln für die Initiativen. "Wir sind froh, wenn der Staat uns zumindest nicht stört", hört man immer wieder in Freiwilligenkreisen. Psychologische Hilfe für traumatisierte Soldaten? Auch darum kümmern sich Freiwilligenorganisationen. Pressekonferenzen für ausländische Journalisten?

Übernimmt die NGO "Ukraine Crisis Media Center". Statt aber die von der Zivilgesellschaft geschaffenen Strukturen zu unterstützen, gibt der ukrainische Staat seine Funktionen einfach an die NGOs ab – Outsourcing an kostenlose Dienstleister.

Dass der Staat das Prinzip Zivilgesellschaft falsch verstanden hat, birgt große Risiken für die Ukraine. Wenn die Freiwilligen, die gerade an die Grenzen ihrer psychischen und finanziellen Möglichkeiten gehen, aufgeben, wird die Ukraine den Krieg gegen Russland verlieren. Und zwar in einem größeren, nicht nur militärischen Sinne.

Wenn die Ukrainer ihren Glauben daran verlieren, dass man mit dem Engagement der Bürger ein besseres, demokratisches Land aufbauen kann, wäre das eine Niederlage für die ganze Maidan-Bewegung, für die europäischen Werte in der Ukraine. Es wäre die Rückkehr in die postsowjetische Lethargie. Und es wäre ein Sieg Russlands, das der jungen ukrainischen Demokratie eine autoritäre Führung als effektiveres politisches Modell gegenüberstellt.

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